So manipuliert man.
In Teilen ist der Aufsatz nicht einmal uninteressant. Siehe die Passage über Lafontaine, auch stellt er richtig dar, dass die SPD derzeit zwischen zwei Lagern zerrieben wird. Es stimmt aber nicht, dass dort Machtparität herrscht.
Schauen Sie einmal:
Kurt Beck hatte sich der Parteilinken anverwandelt und wurde am Ende von ihr gesteuert. In seiner Amtszeit bekam sie neuen Lebensmut und triumphierte über die Agenda-SPD, die am Erbe Gerhard Schröders festhalten wollte. Beck hat gegen diesen Triumphalismus nichts gemacht, im Gegenteil, er hat seine Macht darauf aufgebaut und in Müntefering den wichtigsten Protagonisten der Reformer-SPD beiseite gedrängt.
Das ist nur noch gespenstisch.
Beck, selber mit Sicherheit kein Linker, hatte nichts weiter getan, als den Versuch zu unternehmen, die SPD aus dem Dilemma heraus zu führen, in das sie sich zum Teil selbst mit ihrer Agenda-Politik gebracht hatte, in dem sie vom politischen Gegner aber auch genüßlich vorgeführt wurde. Dass die Linke sich unter Beck vollends durchgesetzt hätte, ist albern. Es ist sogar belegbar falsch. Hätte sie es, hätte sie die Seeheimer an den Rand gedrängt. Nicht Beck hat geputscht. Gegen ihn ist geputscht worden.
Derzeit zeigt die SPD in der tat ein desaströses Bild. Die Pleitiers von gestern haben sich noch einmal durchgesetzt. Im Zuge der sich massiv verschärfenden Krise wird es sich dabei aber wohl um einen Phyrrus-Sieg der Partei-Rechten handeln. Die massive Mitverantwortung speziell der SPD-Rechten am derzeitigen Desaster kann ja im Ernst nicht zur Debatte stehen. In irgend einer Form wird es wohl auf ein Szenario hinauslaufen, wie es auch der Aufsatz von Schwennicke entwickelt: Es wird zu einer Trennung beider Flügel kommen…kommen müssen. Dabei wird es insbesondere um den symbolträchtigen Namen SPD gehen.
Im Zweifel sollten die Linken innerhalb der SPD solche symbolischen Überlegungen aber hinten an stellen. Ich weiß beim besten Willen nicht, was die großartige Franziska Drohsel noch zu suchen hat in einer Partei, in der eine so problematische Type wie Johannes Kahrs – der alles mögliche ist, aber mit Sicherheit kein Sozialdemokrat, wenn das Wort überhaupt noch einen Sinn hat – Strippen zieht. Und in der ein entweder restlos inkompetenter, oder vom Tunnelblick gefangener, oder (es tut mir leid) fast schon krimineller Peer Steinbrück (Sattelbursch Asmussen immer mittenmang) mit den erwiesen falschen, erwiesen desaströsen Rezepten von gestern einfach so weiterwursteln darf.
Anyway: Die weitere Entwicklung der SPD bleibt spannend.
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