Sicher, der Bundespräsident übt bei uns eher repräsentative Funktionen aus – aber auch Symbole haben Macht.
Deswegen möchte ich Sie bitten, sich diese Liebsche Analyse der unsäglich verlogenen und widerwärtigen sog. „Berliner Rede“ Köhlers einmal anzuschauen.
Wir empfehlen: Schreiben Sie Ihre(n) Abgeordneten an, machen Sie klar, dass Sie nicht wünschen, dass Herr Köhler eine weitere Amtszeit erhält. Es ist schlicht ausverschämt, was er sich erlaubt: Sie und ich, wir haben also über unsere Verhältnisse gelebt? Wir haben die Krise mit zu verantworten? Und dies müssen wir, die wir als Normalverdiener seit Jahren die neoliberale Jause schmeißen, uns aus dem Munde eines der herausragendsten Vertreter der Deregulierung anhören? Wir fordern Sie auf: Lassen Sie sich diese widerwärtige Unverschämtheit nicht gefallen!
Dass er uns – wie vorher schon Merkel, Steinbrück, Sinn, Westerwelle etc – die Lügenmär auftischt, er sei klammheimlich immer schon dagegen gewesen, ist ja schon schlimm genug. Köhler lügt hier schlussendlich ganz einfach: Der Mann hat – wie all die anderen Genannten – über Jahre hinweg immer und immer wieder der Deregulierung und dem Neoliberalismus in Wort und Tat Vorschub geleistet, und zwar von keinen Einschränkungen getrübt. Das sind die relevanten Tatsachen, und die kann man problemlos belegen (Belege bei Wolfgang Lieb)! Ob die Damen und Herren Wendehälse irgendwann einmal ein paar kritische Relativsätze in irgendwelche Akten geschrieben haben, hat mit den relevanten Tatsachen nicht das Geringste zu tun. Wenn Köhler die Einsichten, die gehabt zu haben er vorgibt, tatsächlich gehabt hätte – was hinderte ihn daran, sie uns rechtzeitig mitzuteilen? Man könnte diese post hoc Einsicht aus dem Jahr 2000 einfach nur peinlich und wendehälsig finden – was sie ja auch ist! Aber sie ist mehr. Sie ist auch ein Signal, eine Machtdemonstration, ein Gessler-Hut: Seht her, ich habe die Macht! Ich habe soviel Macht, dass ich selbst absurde und offenkundig unwahre Dinge behaupten kann – niemand wird mich nackt nennen.
Aber es kommt noch schmutziger. Seine Täter-Opfer-Umkehr ist wirklich der Gipfel: Einer der Haupttäter, der Ex-IWF-Geschäftsführer Köhler verhöhnt die Krisenopfer – denn nicht Herrn Köhlers wirtschaftliche Existenz ist ja bedroht, sondern im Zweifelsfall Ihre und meine! – , indem er ganz einfach schamlos den Spieß umdreht. Sie und ich, „wir alle“ sollen jetzt also für die Krise verantwortlich sein.
Das sollten wir ihm nicht durchgehen lassen. Diese Krise ist nicht usnere Krise, sondern deren! Es ist die Köhler-Schröder-Merkel-Steinbrück-Sinn-Hüther-Krise, nicht Ihre oder meine!
Ich jedenfalls habe niemanden abgezockt. Ich wüßte beim besten Willen nicht, wen. Ich habe in den letzten Jahren ganz konkret gezahlt für deren Jause, per Büchergeld zum Beispiel, per höherer Mehrwertsteuer sowieso. Und ich verbitte mir solche Unverschämtheiten eines dahergelaufenen Herrn Köhler sehr deutlich!
Machen Sie bitte die Wolfgang Liebsche Analyse bekannt, machen Sie Dampf bei Ihrem Abgeordneten, machen Sie klar, dass wir eine solche verlogene Type nicht zum Bundespräsidenten haben wollen.
Ihren Abgeordneten finden Sie auf www.bundestag.de. Sie dürfen von diesem Text selbstverständlich Gebrauch machen.
Schlagworte: Bundespräsident, Bundespräsidentenwahl, Horst Köhler
März 26, 2009 um 10:46
Der salbungsvollen Köhlerschen „Lügen-Reden“ hat man wirklich genug gehört. Und wie der „Bundeshorst“ doch immer von sich behauptet, sich einmischen und unbequem sein zu wollen. Ja, einmischen tut er sich und unbequem ist er auch, aber nur für wen?
Ob der „Bürgerpräsident“ auch von diesen „Kapital-Verbrechen“ weiß, die ebenfalls im Namen der freien Märkte bereits in der blutigen Vergangenheit des ungezügelten Kapitalismus begangen wurden? Neo-Liberalismus gleich Neo-Feudalismus!
http://www.papyrossa.de/sites_buchtitel/biermann_kapitalverbrechen.htm
Kapital-Verbrechen
März 26, 2009 um 2:36
Ich kann auch nur zustimmen. Als diese Pappnase gesagt hat wir alle hätten über unsere Verhälttnisse gelebt, da war sie plötzlich wieder da die Wut auf diese Bankster und ihre willfährigen Gehilfen aus der Politik.
Ich frag mich, wann hier der Kessel endlich platzt.
März 31, 2009 um 7:09
Achtung Jubelperser:
„Verlust des Anstandes
Der Bundespräsident findet deutliche Worte zum Versagen der Finanzeliten.
Endlich einmal ein große Rede des Bundespräsidenten. Am Ende stand das Publikum auf und applaudierte! Wann hat Horst Köhler das zuletzt erlebt?
Es war die Rede, auf die viele gewartet hatten (…)
Nicht das Köhler bisher zur Krise geschwiegen hätte. In mehreren Interviews hatte er das ‘Monster’ der Finanzmärkte beschworen und die ‘Exzesse’ der Banker gegeißelt. Aber die zusammenhängende Analyse, die Antwort auf die Frage nach den Ursachen und nach möglichen Lösungen – die war der Weltökonom Köhler schuldig geblieben. In der Berliner Elisabethkirche hat er sie am Dienstag dieser Woche gegeben. (…)
Mit seiner letzten großen Rede vor der Bundesversammlung wollte er seine Kompetenz beweisen auf einem Feld, auf dem ihm seine Herausfordering unterlegen ist. Die Krise kennt auch Gewinner.“
Nein, dieser Bericht steht nicht in der „Titanic“ oder im „Eulenspiegel“, sondern in der Zeit 14/09 und sein anköhlernder Autor ist der königlich und kaiserliche Hofberichterstatter Naß.
(Ich zitierte den Text in Auszügen. Online scheint er nicht aufrufbar zu sein, zumindest habe ich es nicht gefunden. Die Tränen stehen mir immer noch in den Augen vor Lachen. Und da ich momentan krank bin: das trägt sehr zu meiner Genesung bei.)